Das Beste auf einmal probieren: Das „Variat“

Man erzählt sich, dass in den fünfziger Jahren die ersten Touristengruppen die Bars, Restaurants und Bodegas der Insel mit dem Wunsch betraten, all die typischen Gerichte der mallorquinischen Küche zu probieren. Damals bedeutete diese Neugier, einen Teller Fleischbällchen in Soße, eine Portion „Frit“, eine Portion Zunge mit Kapern oder einen Teller Schnecken zu bestellen. Bis der Besitzer einer Bodega auf die Idee kam, all diese Spezialitäten in einer kleinen Tonschale zusammenzufassen und zu einem moderaten Preis zu servieren – der Gast sollte mehr als zufrieden sein. Die Idee in diesem Lokal war ein voller Erfolg, und schon bald begannen die Betriebe der Gegend, ihre eigenen Spezialitäten nach derselben Philosophie zuzubereiten. Jeder hatte seine eigene Version. Auch den Mallorquinern gefiel die Idee, und so verbreitete sie sich auf der ganzen Insel. Das mallorquinische Variat war geboren.

Doch was gehört eigentlich in ein „Variat“? Es gibt unzählige Varianten, aber im Wesentlichen findet man darin: Fleischbällchen in Soße, gekochte Schnecken, „Frit“ (Innereien- oder Schlachtplatte), Kalbszunge mit Kapern, Pica Pica (scharfer Tintenfischeintopf), Kroketten, tintenfischringe auf römische Art (Calamares a la romana), Kutteln, russischen Salat (fast das einzige Gericht, das kalt serviert wird) und die eine oder andere Spezialität des Hauses. Diese Gerichte, die üblicherweise an der Theke des Lokals ausgestellt sind, werden zu dritt oder viert zusammen in einer Greixonera (einer typischen Tonschale) angerichtet. Diese gibt es meist in zwei Größen, je nachdem, ob man ein großes oder ein kleines Variat bestellt.

In Inca, im Herzen Mallorcas, gehört diese kulinarische Besonderheit zweifellos zu den am häufigsten bestellten Gerichten unter den Gästen der Gastronomiebetriebe. Um es zu probieren, muss man lediglich eine klassische Bar, ein Restaurant oder, noch besser, eine Bodega aufsuchen. In der Hauptstadt der Region Es Raiguer finden wir einige legendäre Orte wie die Bar Malprats, wo lokale Produkte die Hauptrolle spielen, oder Can Ripoll, jene klassische Bodega, die 1940 begann, Speisen zu servieren, deren Weinfässer jedoch bereits auf das Jahr 1768 zurückgehen. Wer weiß, vielleicht gehörten sie ja zu den Ersten…

Ob für ein zweites Frühstück am späten Vormittag, als Aperitif vor dem Mittagessen oder für ein Abendessen unter Freunden bei Bier und viel Gelächter – das Variat ist ein absoluter Klassiker unserer Gastronomie.

Wenn Sie einige der Tempel des „Variat“ in Inca kennenlernen möchten, laden wir Sie ein, eine unserer Empfehlungen zu besuchen: Bar Novedades, Mercantil, Barra Miceli, Bar Kiko, S’Avinguda oder Ca’n Pedro.